|
>> Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk <<
Pressemitteilung vom 26.08.2010
Hygiene in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und sonstigen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung:
»Hygienemängel und Verhinderungsstrategien sind seit Jahren bekannt«
In Deutschland gibt es pro Jahr weit über 500.000 Fälle von Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen), europaweit rund drei Millionen. Sie
führen zu zusätzlichem Leid für die Patienten, längeren Liegezeiten und immensen zusätzlichen Kosten für das Gesundheitswesen, in Einzelfällen zwischen 4.000 und 20.000 Euro. Laut
Expertenschätzungen sterben jährlich etwa 40.000 – 50.000 Menschen an den nosokomialen Krankenhausinfektionen. Vielfältige Infektionen in anderen Einrichtungen der
Gesundheitsversorgung (z.B. Pflegeheimen) kommen hinzu.
Solche Infektionen könnten zu einem großen Teil verhindert werden, wenn die gesetzlichen Vorschriften zum Infektionsschutz und die vorhandenen
fachlichen Erkenntnisse zur Verhütung von Infektionen ausreichend Beachtung fänden. So haben zum Beispiel die fachlich zuständigen Behörden (u.a. Robert Koch Institut, Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin), das Aktionsbündnis Patientensicherheit und mehrere medizinische Fachgesellschaften mit umfänglichen
Handlungsanleitungen und Empfehlungen (z.B. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission) informiert und
Infektions-Vermeidungsstrategien aufgezeigt.
Experten sind sich darüber einig, dass die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung der Übertragung von Infektionserregern die sorgfältige
Händedesinfektion ist. In vielen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass durch die Verbesserung der Händedesinfektion das Auftreten von Infektionen reduziert werden kann.
Die „AKTION Saubere Hände“ hat es sich daher zum Ziel gesetzt, durch ein verbessertes Händedesinfektionsverhalten Infektionen zu minimieren. In einer deutschen Studie (2000) wurde
gezeigt, dass beispielsweise nur bei 55,2% der Tätigkeiten, in denen eine hygienische Händedesinfektion erwartet wird, auch entsprechend reagiert wird.
|
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der
Aktion Saubere Hände und unterstützt damit alle Maßnahmen, die sich mit einer Verbesserung der
Hygiene und damit dem Verhindern von Infektionen befassen.
|
Angesichts akuter Hygienezwischenfälle mit Todesfolge in der Mainzer Uniklinik sind von verschiedener politischer Seite Forderungen nach weiteren
Vorschriften zur Verbesserung der Hygienebedingungen erhoben worden.
Kenner der Szene können sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der politische Aktionismus wohl eher mit dem Sommerloch erklärt werden kann, als
mit ehrlichen Absichten, die hygienischen Zustände wirklich verbessern zu wollen. Tatsache ist nämlich, dass es eigentlich ausreichend Regelungen gibt, die Hygienemängel weitgehend
ausschließen können. Sie können aber nur mit ausreichender personeller und finanzieller Ausstattung umgesetzt werden.
Wer die Hygiene verbessern will, muss in erster Linie dafür sorgen, dass erheblich mehr Personal, v.a. Pflegefachpersonal, ausgebildet und eingestellt
werden kann, das diesen Anforderungen auch gerecht werden kann. Dabei ist zu bedenken, dass auch ohne zusätzliches Personal für die Gewährleistung hygienischer Anforderung bereits ein
katastrophaler Pflegenotstand gegeben ist. Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat in den letzten Jahren wiederholt darauf aufmerksam gemacht. Daher sind personell umfassende Maßnahmen
geboten.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk stellt daher klar:
|
Wir brauchen nicht mehr Hygienevorschriften, sondern in erster Linie erheblich mehr Personal, das den bereits herausgegebenen Handlungsanleitungen
und Empfehlungen zur Sicherung der Hygiene, aber auch den sonstigen pflegerischen Anforderungen gerecht werden kann. Solche Folgerungen liegen im allseitigen Interesse und dulden
keinen Aufschub.
|
Ein Leitsatz der Hygiene: >> Hygiene ist teuer, keine Hygiene ist aber noch teurer <<
Werner Schell
Dozent für Pflegerecht, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
______________________________________________________
Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
und steht hier als pdf-Datei zur Verfügung
|