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Pressemitteilung vom 11.10.2010

»Ausgliederung des Neusser Pflegeheims Herz-Jesu in die Lukaskrankenhaus GmbH«

Werner Schell, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk, erklärt zur anstehenden Sitzung des Sozialausschusses der Stadt Neuss am 21.10.2010:

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hält eine alsbaldige Entscheidung darüber, ob eine Änderung in der Trägerschaft des Neusser Herz-Jesu Pflegeheimes erfolgen soll, für erforderlich. Mit Rücksicht auf die BewohnerInnen, Angehörige und MitarbeiterInnen der Einrichtung ist es nicht vertretbar, die angedachte Fusion mit dem Lukaskrankenhaus GmbH länger in der Schwebe zu halten. Es wird keine Veranlassung gesehen, die hier anstehenden Erörterungen mit anderen städtischen Ausgliederungsmaßnahmen in Verbindung zu bringen.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk macht darauf aufmerksam, dass durch eine Trägeränderung allein nicht zwangsläufig bessere pflegerische Voraussetzungen geschaffen werden können. Die insoweit maßgeblichen Kriterien sind weitgehend trägerunabhängig.

Wer eine bessere Pflege will, muss vorrangig auf die Reform der Pflege-Rahmenbedingungen setzen. Denn die entscheidenden Regelungen, die für eine angemessene Pflege in einer Einrichtung maßgeblich zu sein haben, sind vornehmlich gesetzlich und rahmenvertraglich festgelegt.

Wenn auch eine Zusammenführung des Herz-Jesu Pflegeheims mit dem Lukaskrankenhaus manche Einspareffekte mit sich bringen kann, z.B. im Einkauf, in der Speisenversorgung, in der Gebäudebewirtschaftung, können direkte Verbesserungen in der Pflege und Betreuung der BewohnerInnen nicht unbedingt gesehen werden.

Die bislang aufgezeigten Möglichkeiten hinsichtlich eines personellen Zusammenwirkens zwischen den in Rede stehenden Einrichtungen, sind unrealistisch und täuschen über die gegebenen Rahmenbedingungen. Das Herz-Jesu Pflegeheim muss nämlich auch bei einer veränderten Trägerschaft das aufgrund der geschlossenen Verträge erforderliche Personal ständig verfügbar haben und die Fachkräftequote einhalten. Ein Hin- und Hergeschiebe von Pflegepersonal zwischen Pflegeheim und Krankenhaus, so, wie bisher in den Erörterungen angedeutet, muss außer Betracht bleiben.

Zu bedenken ist im Übrigen, dass die Rahmenbedingungen in beiden Versorgungsbereichen eher eine pflegerische Notstandssituation aufzeigen. Es müssen daher eigentlich alle verfügbaren Kräfte mobilisiert werden, im Heim- und im Krankenhausbereich mehr Pflegepersonal auf den Weg zu bringen und nicht die Not des einen Trägers mit den ungünstigen Stellenvoraussetzungen des anderen Trägers lindern zu wollen.

Problematisch kann eine Zusammenführung von Herz-Jesu-Pflegeheim und Lukaskrankenhaus GmbH deshalb sein, weil es dann leichter erscheinen kann, auch aus ökonomischen Gründen, HeimbewohnerInnen (noch) schneller eine Krankenhausbehandlung zuzuführen, als dies bereits jetzt der Fall ist. Andererseits könnte eine Trägerschaft in einer Hand dazu führen, Patientinnen und Patienten scheinbar unproblematisch in die eigene Heimversorgung zu überführen.

In diesem Zusammenhang ist nämlich wichtig zu wissen, dass es bei einer allgemeinen Betrachtung der Pflegeszene in Deutschland aufgrund einer nicht selten mangelhaften ärztlichen Versorgung von pflegebedürftigen Menschen allzu oft vermeidbare Krankenhausaufnahmen gibt. Andererseits werden im Zusammenhang mit einer Krankenhauspflegebedürftigkeit Entlassungen immer schneller vorgenommen, so dass einem zu entlassenden Patienten eine Heimunterbringung möglicherweise frühzeitig nahe gelegt werden kann.

Dass die ärztliche Versorgung in den Pflegeeinrichtungen völlig unbefriedigend ist, ergibt sich u.a. daraus, dass selbst die Kassenärztlichen Vereinigungen aktuell zu einer „Initiative Pflegeheim“ aufgerufen haben. Bereits eine Studie (aus 2005), u.a. von Frau Prof. Dr. Lehr, Bundesfamilienministerin a.D., mit erstellt, geht von einer mangelhaften ärztlichen Versorgung in den Heimen aus.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk regt nach all dem an, bei den anstehenden Erwägungen und Entscheidungen neben einer ökonomischen Betrachtung der Vorgänge eine Verbesserung der pflegerischen und sonstigen Betreuung der HeimbewohnerInnen im Herz-Jesu Pflegeheim nicht aus den Augen zu verlieren.

Wenn es den Sozialausschuss in seiner Sitzung am 21.10.2010 auch darum gehen sollte, die Interessen der pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, stehe ich als Gesprächspartner während der Sitzung gerne zur Verfügung.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk

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Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei