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Pressemitteilung vom 16.08.2008

Mehr Betreuungskräfte für Demenzkranke

Die Bundesagentur für Arbeit will offenbar mehrere tausend Langzeitarbeitslose als Betreuungsassistenten in Pflegeheime vermitteln. Dort sollen sie Demenzkranke unterstützen helfen. Der Einsatz solcher Betreuungsassistenten sieht die am 1.7.2008 in Kraft getretene Pflegereform ausdrücklich vor. Der Einsatz von durch die Bundesagentur für Arbeit vermittelte Betreuungsassistenten wurde u.a. von Claus Fussek "scharf" kritisiert.

In der Angelegenheit wird von "Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk" folgende Stellungnahme abgegeben:

Die am 1.7.2008 in Kraft getretene Pflegereform hat u.a. die Möglichkeit geschaffen, in den Pflegeheimen zusätzliche Betreuungskräfte, sog. Betreuungsassistenten, zur Aktvierung und Betreung von dementiell erkrankten Menschen einzustellen. Diese Betreuungskräfte benötigen ausdrücklich keinen therapeutischen oder pflegerischen Berufsabschluss, müssen aber gleichwohl für die Tätigkeit geeignet und ausreichend qualifiziert sein. Dies ist in Richtlinien näher geregelt.

Es erscheint unter Beachtung dieser Richtlinien gerechtfertigt, für die Betreuungsleistungen auch geeignete Langzeitarbeitslose zu qualifizieren und einzusetzen. Es kann davon ausgegangen werden, dass solche Personen aufgrund ihrer bisherigen Lebensleistung besonders gut geeignet sein können, die dringend notwendigen niedrigschwelligen Betreuungsleistungen zu erbringen. Es wird sich nach kurzer Zeit abklären lassen, ob die vorgelegten Richtlinien hinsichtlich der Qualifizierungsanforderungen nachgebessert werden müssen. Eine pauschale Kritik am Vorhaben erscheint aber im jetzigen Stadium der Erkenntnisse nicht begründbar!

Wenn der Münchner Sozialpädagoge Claus Fussek ein solches Vorhaben "scharf" kritisiert, mag das seiner persönlichen Sichtweise entsprechen. Legitimierter Sprecher der Pflegekritiker ist er aber weder in dieser Angelegenheit noch in anderen pflegerischen Grundsatzfragen. Claus Fussek hat erst vor einigen Wochen das Pflege(fach)personal zu 40% als ungeeignet eingestuft ("niedergemacht") und das Pflegesystem mit einem kollektiven Aufruf zum Suizid in Verbindung gebracht. Eine solche Pflegekritik liegt völlig daneben und hat mit einer seriösen Einschätzungen der durchaus verbesserungwürdigen Pflegesituation nichts zu tun. Von solchen Äußerungen kann man sich nur distanzieren!

Wichtig erscheinen folgende Anmerkungen: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. Im Jahre 2030 wird es nach aktuellen Schätzungen allein rd. 2 Millionen dementiell erkrankte Menschen geben. Bedeutsam erscheint in diesem Zusammenhang die Feststellung der Ärzteschaft auf dem kürzlich durchgeführten 111. Deutschen Ärztetag, dass die Pflegebudgets um mindestens 30% verbessert werden müssen. Damit geht die organisierte Ärzteschaft noch weit über das hinaus, was diesseits seit Jahren eingefordert wird, nämlich eine personelle Verstärkung um rd. 20%. Die jetzt mögliche Anstellung von Betreuungsassistenten löst die beklagte Pflegenot in den Heimen nicht auf, so dass die Forderung nach mehr Pflege(fach)personal aufrecht erhalten bleiben muss.

Werner Schell, Dozent für Pflegerecht und Vorstand "Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk"., Harffer Str. 59, 41469 Neuss – Telefon 02131/150779

Der vorstehende Text ist zur Veröffentlichung freigegeben!